Hauptsache selbstgemacht

Ein guter Sonntag Morgen ist ganz leicht zu erkennen, finde ich. -und zwar an den Abdrücken von der Schutzbrille im Gesicht und Feilspänen in den Taschen des Morgenmantels und in den Crocs 1. Was habe ich heute morgen gebaut? Das da:

Das ist eine verlängerte Bodenplatte für ein Glock-Magazin. Wie die von concealablecontrol, die ich schon beworben habe. Leider kann man bei denen immer noch nicht einkaufen, sie haben schon ihre zweite selbstgesetzte Deadline überrannt und ich war nicht Willens zu warten.

Also das hier. Leider dient mein alter 3D-Drucker nur noch dazu zu beweisen, dass ich ganz früh bei der Revolution dabei war, drucken tut der nicht mehr. Dementsprechend hab ich, wieder ganz hip und als Mitglied der Generation Mix-/Mashup ganz wenig Arbeit selbst gemacht:

Die Bodenplatte ist ein Design von Benutzer WetNeon auf thingiverse. Ich habe dann in OpenSCAD eine Verlängerung dran designed und das via 3D-Hubs, einer Plattform, wo 3D-Druckerbesitzer ihre Dienste anbieten, drucken lassen. Dazu hab ich mir jemanden gesucht, ABS in hoher Auflösung drucken konnte. Wir hatten ein paar Schrumpfungsprobleme, aber die hatte der empfehlenswerte Dienstleister freundlicherweise auf eigene Kosten in einem zweiten Durchgang korrigiert. Dann ein paar Runden mit Feile und Schleifpapier, um es von außen so anzupassen, wie ich es haben wollt und gut war. Kostenpunkt mit Versand waren 20 EUR für drei Stück.

Gedacht ist das für die schon erwähnte Glock 26L, aber eventuell ist das auch attraktiv für größere Glocks, um das Magazin mittels Gürtel aus der Waffe ziehen zu können. Und natürlich weil Glock stinkt und uns hasst: Man kann in Deutschland (und ich behaupte sogar Europa-weit) keine Ersatz-Magazinböden für Glocks kaufen. Ich hab jüngst die absurd teuren und viel zu tacticoolen Vickers-Magazinböden gekauft, weil sonst kein Ersatz zu bekommen war. Egal, ich schweife ab. Auf zwei Dinge will ich noch eingehen:

Legalität: Falls der Druckende das hier sieht und soft Panik schiebt, keine Sorge, das Herstellen eines Magazinteils ist absolut legal in Deutschland. Viel mehr geht es darum, dass die Idee von jemand anderem stammt. Die drucken zwar nicht mal „Pat. Pending“ drauf, und selbst das heißt bekanntermaßen soviel heißt „wir haben kein Patent [und kriegen auch keins]“. Zudem gibt es nach deutschem Recht ja sowohl die Frage nach Schöpfungshöhe und dem Ausmaß der Veränderung. Rechtlich sehe ich das also gelassen, moralisch bin ich aber nicht glücklich. Ich hätte die Jungs auch gerne bezahlt, aber sie sind ja einfach nicht online und ich zweifle, dass sie das jemals wieder hinkriegen werden. Einfach aus Erfahrung mit Mini-Läden dieser Art und gerissenen Deadlines als Indikator.

Stabilität: Muss man sehen. Gerade auf ein Bauteil für das verdeckte Führen sollte man sich verlassen können. Dank des Druckprozesses in mehreren Lagen könnte sich entlang der Nut ein Riss bilden. Hätte man durch Hochkant-Drucken vermeiden können. Hätte man durch ein schrägeres Design des Bodenplatte vorbeugen können. Hätte man durch Aceton-Behandlung verbessern können. Hätte, hätte… was ich hingegen gemacht habe, ist, die Seiten plan zu schleifen, um zwischen den Materiallagen und echten Rissen unterscheiden zu können und dann das Magazin voll zu laden. Jetzt warte ich, ob sich Risse oder Dehnungsspuren zeigt (ABS ist da ja dankbar und wird weiß, sobald man das dehnt oder knickt). Sobald ich mindestens 500 Schuss durch jedes der Magazine habe und die ein halbes Jahr geladen rumgelegen haben, bin ich gewillt, denen zu vertrauen.