Boom, headshot!

Der Ellifritz schreibt über Kopfschüsse. Aus mehreren Gründen faszinierend. Hauptsächlich wegen der Gelegenheit, eine Popkultur-Referenz anzubringen.

Aber was schriebt der Gorillafritz denn nun? Dass Kopfschüsse am Kopf abprallen sei nicht untypisch. Da hat er Recht. Und dass man besser in das Dreieck aus Augen und Mund schieße. Hat er auch Recht. Und dass man in der Nahdistanz besser den Hals wählen solle. Da hat er… eventuell Recht.

Letzteres kann man skeptisch sehen, aus einfachen Gründen wie Hinterlandgefährdung und ob der Schwierigkeit, die relevanten Teile zu treffen. Das Problem kennt ja jeder Jäger: Treffer auf den Träger sind super, aber da ist so viel Zeug drum herum, wo sich dann kaum was tut außer Schmerzen beim Wild oder gar der kurzzeitig betäubende Treffer auf den Dornfortsatz, der Krellschuss, bei dem man denkt, alles wäre super, nur um dann überrascht zu werden, weil das Wild sich trollt.

Aber was viel wichtiger ist: Das, was da geschrieben steht, wissen wir alle, die wir irgendwo im Ausland (oder dank der neuen Ausbilder-für-Selbstverteidigungsschießen-Geschichte auch im Inland) sowas gelernt haben.

Trotzdem hier Lektion 1: Wissen ist nicht Machen. Ich zum Beispiel kann das runter beten und hab trotzdem in meinem ersten Shoothouse genau da hin geschossen, wo man es im Film immer sieht: Zwischen die Augen, eine Fingerbreit hoch. Filme konditionieren. Genau so, wie ich weiß, dass ich mit nicht an eine Deckung lehne sondern im Idealfall eine Beinlänge Abstand halte wegen sekundärer Fragmente, vulgo: Splitter. Habe ich trotzdem in einem weiteren Szenariotraining komplett verbockt. Filme konditionieren.

Historisch ist das Thema übrigens sehr interessant: Schon der große Cirillo hatte mit seiner Stake-out-Squad Probleme mit Kopftreffer und bei denen lag es nicht an der Trefferlage – das waren güldene Götter, was Disziplinen wie PPC 1500 oder, hurr, Bowling-Pin-Matches anging. Nein, die hatten auch bei guter Trefferlage Abpraller.

Zum einen war die Munition nicht ideal – Cirillos Partner Bill Allard war 1911er-Schütze und in den 70ern war die Auswahl an Munition, die in einer 1911er funktionierte, nicht sonderlich groß. Und Cirillo selbst, eher Revolverschütze, hat viel mit Munition experimentiert – Wadcutter und Semi-Wadcutter waren die Basis für die meisten Versuche und auch die prototypische „Super-Vel“ sollte eigentlich mit einem scharfen Rand produziert werden, um „besser zu beißen“.

Das Abprallproblem wurde verstärkt durch die taktisch kluge Angewohnheit der stake-out Squads, den erwähnten Opfern gerne aus erhöhter Position aufzulauern, was sie selbst zwar wunderbar tarnte ob der menschlichen Natur, Feinde immer erst mal unterhalb eigenen Kopfhöhe zu suchen, was aber leider Treffer in das schon erwähnte Dreieck unwahrscheinlicher macht.

Lektion 2: Wer eine Kugel auf eine Kugel wirft oder schießt, sollte immer mit Abprallern rechnen.

Zwei Lektionen. Lasst es Euch mal durch den Kopf gehen.